“Uuuuund die Zeit ist vorbei.”

Ich legte meinen Stift beiseite und strich behutsam über das beschriebene Blatt um die Fusseln des Radiergummis zu entfernen, ohne die Schrift zu verwischen. Zugegeben, es war nicht meine beste Klausur, denn ich hatte in den letzten Wochen weitaus besseres geleistet, doch es war bereits zu spät sich darüber zu ärgern.

Gemeinsam mit dem vorgedruckten Papierbogen gab ich meine letzte Klausur in diesem Bachelor-Studium ab. Ein Teil von mir war erleichtert, denn die Prüfungsphase ist vorbei und ich konnte einfach ins Bett und in einen Dornröschen-Schlaf verfallen, ohne den ganzen Lern-Zeitdruck zu verspüren. Ein anderer kleiner Teil ärgerte sich trotzdem ein wenig über die Klausur oder eher meine Antworten, denn mir sind bereits Sekunden nach der Abgabe mindestens 5 bessere Formulierungen und Argumente eingefallen, die für oder gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen stehen.

Und dann gab es noch den Teil in mir, der kaum Erleichterung spürte, denn er sah weiter in die Zukunft als nur bis zum langersehnten Mittagsschlaf. Nun begann ein neues Kapitel in meinem Studium. Das letzte Kapitel. Nach dem ich mich die letzten 5 Semester in der Theorie bewiesen habe, muss ich jetzt in der Praxis mein Können unter Beweis stellen.

Bereits vor der letzten Prüfung habe ich mich vor Gesprächen rund um das Thema Bewerbung, Arbeit, Praktikum und Bachelor-Arbeit gedrückt, doch nun gab es kein Entkommen mehr. Der Moment ab dem ich weitläufig und vorausschauend denken musste, war schneller da als ich dachte. Plötzlich musste ich einen exakten Plan haben und ich spürte den Druck bei jeder Frage, die richtigen Antworten parat haben zu müssen. Der Druck kam nicht unbedingt von außen, sondern viel mehr von mir und mit jeder Frage auf die ich keine Antwort geben konnte, wurde das Gewicht auf meinen Schultern schwerer.

Ich wusste noch nicht wie es weitergeht, und ehrlich gesagt, weiß ich es jetzt auch noch nicht. Das Ziel des Abschlusses habe ich vor Augen, aber zur Zeit fühlt es sich an als würde ich einfach nur blindlings ohne Karte oder Wegbeschreibung darauf zu stolpern und die Ziellinie kommt keinen Schritt näher.

Die Tage und Wochen nach der letzten Prüfungen waren ein Auf und Ab. Es gab merkwürdige Phasen, in denen ich irgendwie versuchte mein Leben auf die Reihe zu bringen, aber eher nur der Prokrastination verfiel. Phasen in denen ich geplagt von Druck, schlechtem Gewissen und Selbstzweifeln umher schlich, auf der Suche nach einer Lösung, einem Weg oder irgendwem, der mir meine Last oder Entscheidung abnehmen könnte. Das Streben nach Perfektionismus und gleichzeitig das Bangen um die Zukunft begleiteten mich auf dem Weg und schickten mich durch ein Tal der Motivationstiefs und Irrgärten der Gefühle.

Doch so finster dieser Anfang auch klingt, die Sonne hat nie aufgehört in meiner kleinen Welt zu scheinen. Ich verlor nie den Mut und rannte Wege entlang, versuchte Berge zu erklimmen und verbrachte Stunden in Photoshop mir selbst beizubringen wie das Programm funktioniert und gleichzeitig einen Lebenslauf zu basteln, der inhaltlich und optisch meinen viel zu hohen Anforderungen entsprach.

Ich wünschte ich könnte euch von einem grandiosen Start erzählen, von einer Heldin des Alltags, die weiß wohin sie will und alle Herausforderungen mühelos überwindet. Die voller Optimismus und Tatendrang ihren Weg geht und Zweifeln an sich selbst oder der Zukunft keine Chance gibt. Eine Heldin die Dinge wie Bewerbungen, Lebensläufe, Portfolio Webseiten oder auch einen Plan fürs Leben einfach aus dem Ärmel schütteln kann und euch am besten noch mit gutem Beispiel vorangeht und mit Tipps und Ratschlägen um sich wirft.

Aber leider kann ich das nicht, denn noch bin ich nicht diese Heldin.. Aber das ist ja auch erst der Anfang, richtig?

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